Deutschland braucht einen Beschützer

Staatsfeind

Die deutsche Geheimagentin Sophie Decker hat den Ruf, jegliche Regeln zu missachten, womit sie sich jede Menge Feinde in ihren eigenen Reihen gemacht hat. Aber als ein Informant eine Verschwörung aufdeckt, nach der die deutsche Bundeskanzlerin ermordet werden soll, wird Decker beauftragt, die Kanzlerin zu beschützen und den Attentäter auszuschalten.

Sie scheint perfekt für den Auftrag: Jemand der tut, was auch immer nötig ist, damit der Job erledigt wird. Aber Decker hatte noch nie einen Gegner wie den legendären Skorpion. Er ist gnadenlos und skrupellos, ein Mann ohne Gesicht, aber mit der fast übernatürlichen Fähigkeit, spurlos zu verschwinden. Wo auch immer er auftaucht, wird sein Weg von Leichen gesäumt.

Um den Skorpion zur Strecke zu bringen, braucht Decker Fähigkeiten, die eine Einzelgängerin wie sie sonst eher nicht benutzt: Präzision, Teamarbeit und Fingerspitzengefühl. Diesmal allerdings könnten Deckers Alleingänge der Kanzlerin das Leben kosten.

Das Gold Der Reichsbank

Februar 1945 – Während der Krieg in den letzten Zügen liegt, schafft das Naziregime in Berlin sämtliche Gold- und Bargeldreserven der Reichsbank in die Salzminen von Merkers. Aber ein Teil des Goldes verschwindet unauffindbar.

September 2017 – In Deutschland tobt ein heftiger Wahlkampf. Rechtsextreme Nationalisten, die mit einem der Hauptkandidaten für das Kanzleramt in Verbindung stehen, verbreiten Terror auf den Straßen und töten wahllos.Decker wird von der Bundeskanzlerin beauftragt, die Gewalt zu stoppen. Niemand ahnt, dass das vermisste Gold der Reichsbank zusammen mit einem verloren geglaubten Nazirelikt den Funken zündet, der Berlin hochgehen lässt wie ein Pulverfass.

Die Vollstreckerin

Ein Undercover-Spion des deutschen Geheimdienstes im russischen FSB wird verraten und zur Flucht gezwungen. Weit kommt er nicht, sondern wird von einem sadistischen Ex-KGB-Oberst gefangen genommen, der jetzt freiberuflich für den russischen Präsidenten arbeitet.

Seine Gefangennahme löst eine Panikwelle auf höchster Regierungsebene aus. Die deutsche Bundeskanzlerin Claudia Meyer erteilt Major Sophie Decker, Chefin der Eliteabteilung 89, einen Befehl: Tief in russisches Territorium eindringen und den Agenten retten. Falls nötig, muss sie seine Vollstreckerin sein.

Es gibt nur ein Problem. Die Russen wissen, dass Decker und ihre Agenten kommen. Abteilung 89 steht vor der bisher größten Herausforderung – und vor dem größten Verlust.

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Die Nacht war ideal für einen Mord.

Dies waren die ersten Gedanken des Skorpions, als er leise die dunkle, heruntergekommene Mietwohnung betrat. Der Attentäter setzte die schwere, schwarze Stofftasche auf dem dreckigen Teppich ab. Seine Schultern und der Nacken waren verspannt, also dehnte und lockerte er sich, bis das unangenehme Gefühl nachließ. 

Die blinkenden Neonlichter des gegenüberliegenden Bordells tauchten die Wohnung in ein schwaches Licht. Er ging in Hockstellung bis zum Fenster und spähte hinaus, blieb jedoch im Schatten. Es gab keinen wirklichen Grund zur Sorge – die Chance, dass die Bodyguards seiner Zielperson ihn oben im fünften Stock bemerken würden, war gleich null. Er hatte sie schon fast eine Woche beobachtet und war schnell zu der Auffassung gelangt, dass sie alle unfähige Idioten waren. Sie waren wegen ihrer Muskelkraft und nicht wegen ihres Verstands angeheuert worden. 

Aber der Skorpion hatte nicht so lange überlebt, weil er unnötige Risiken einging. Tatsächlich war er eher übervorsichtig und bereitete jeden Job minutiös vor. 

Er zog seine teure, dunkle Wildlederjacke aus, faltete sie sorgfältig zusammen und legte sie neben sich, trotz des verschmierten Bodens. Die peinliche Genauigkeit dieses Vorgangs beruhigte ihn vor jedem Job. Jede Routine hatte einen wichtigen Platz in seinem Kopf. Jegliche Störung dieser Routine beunruhigte ihn zutiefst. Aberglaube war sein Schwachpunkt, obwohl er das nur ungern zugab. 

Ohne die Jacke sah man, dass er ein muskulöser, athletischer Mann war. Er hatte ein kantiges Kinn, kurz geschorene Haare und straffe, dunkel gebräunte Haut dank der Französischen Fremdenlegion. Aber niemand wusste von seinem Legionärshintergrund. Es wusste auch niemand seinen wirklichen Namen. Er hatte alle nötigen Schritte unternommen, um jegliche Spuren seiner Existenz nach dem Austritt aus der Legion auszulöschen. Er war nur noch ein Schatten, der am Rande der Gesellschaft lebte. Diejenigen im Geschäft, die in Saus und Braus lebten, bettelten doch nur darum, verhaftet zu werden. Der Skorpion hatte keinerlei Verlangen danach.

Er nahm einen Koffer aus der Stofftasche, klickte die Laschen auf und öffnete den Deckel. Im Inneren lag ein Scharfschützengewehr, Leichtbauweise und mit einer Reichweite von etwas über 700 Metern. Dieses abgenutzte Gewehr war schon immer seine Lieblingswaffe gewesen. Es hatte ihn noch nie im Stich gelassen und war mit ihm um die Welt gereist. Er hatte den Überblick verloren, wie viele Morde er damit schon begangen hatte. Die Art, wie er es streichelte und eingehend untersuchte, hatte schon fast etwas Erotisches. Es hatte noch nie blockiert und ihm schon mehr als einmal das Leben gerettet. 

Ihm wurde bewusst, dass er mit seinen Gedanken wertvolle Zeit vergeudete. Er schraubte den Schalldämpfer auf den Gewehrlauf und begann dann systematisch, das Gewehr mit großkalibriger Munition zu laden. Währenddessen spähte er in regelmäßigen Abständen aus dem Fenster um sicherzustellen, dass draußen alles genauso war, wie es sein sollte. 

Als er sicher war, dass das Gewehr bereit war, öffnete er das Fenster. Er war schon früher am Tag da gewesen, um die Scharniere zu ölen, damit sie nicht quietschten. Und tatsächlich, das Fenster schwang völlig geräuschlos ein Stück auf. Der Skorpion lächelte. So weit, so gut.

Die plötzliche Brise, die von draußen über sein Gesicht strich, was eine angenehme Abwechslung zu dem stickig heißen Zimmer. Er drehte seinen Kopf leicht hin und her, bis die kühle Luft den klebrigen Schweiß auf seiner Stirn getrocknet hatte. Dann setzte er langsam und vorsichtig die Waffe an und schob sie mit einem weiteren Blick auf die Straße durch den Spalt des offenen Fensters. 

Er sah durch das Zielfernrohr und schaltete die Nachtsicht ein. Alles auf der Straße wurde plötzlich grün und klar umrissen. Er bewegte das Gewehr langsam, um sich einen Überblick über das gesamte Areal zu verschaffen. Dann bemerkte er einen Lichtschein. Es dauerte einen Moment bis er erkannte, dass es sich um einige Männer handelte, die in einer dunklen Nebengasse zusammenstanden und rauchten. Erst dachte er, es wären einfach nur Freier oder Betrunkene, die auf dem Weg zur nächsten Bar einen Umweg machten. Aber dann wurde ihm klar, dass es die Bodyguards der Zielperson waren.

Amateure, schnaubte er. Sie hatten mit ihrer Zigarettensucht gerade ihre Position preisgegeben. Naja, er würde von ihrer Dummheit profitieren. Er wusste jetzt genau, wo die bezahlten Helfer waren. 

Er richtete das Gewehr wieder auf den Eingang. Die Tür öffnete sich und der Skorpion spannte den Finger auf dem Abzug an. Doch der Mann, der heraus kam, war nicht der, den er ausschalten sollte. Stattdessen war es ein betrunkener Geschäftsmann, der seine Gelüste befriedigt hatte und jetzt nach Hause fuhr, um seine Frau anzulügen. Der Skorpion atmete tief durch und nahm langsam den Finger vom Abzug. 

Während er die Straße unten weiter beobachtete, fiel ihm auf, dass mit jeder Minute, die er wartete die Chance stieg, von den Bodyguards entdeckt zu werden. Aber dann erinnerte er sich daran, dass er nicht lange würde warten müssen. Sein Kunde arbeitete daran, das Ziel direkt in seine wartenden Arme zu locken. Sie hatten beide großes Interesse daran, diese Sache so schnell wie möglich über die Bühne zu bekommen, also würde der Kunde jede Menge Druck machen.

* * *

Interpol hielt Vladimir Rostov für einen der größten Verbrecher in ganz Europa. Er selbst bezeichnete sich lieber als „aggressiven Unternehmergeist“. Die Arme seines Imperiums erstreckten sich über den ganzen Kontinent bis nach Russland. Drogen, Waffen, Frauen, Glücksspiel … Er hatte seine Finger praktisch in allem, was schnelles Geld versprach. Für den richtigen Preis würde er sogar jemanden umbringen. Man brauchte keine besonderen Fähigkeiten, um jemandem ein Messer in den Rücken zu rammen oder ihn vor ein Auto zu schubsen. Nur gegen die Interessen des russischen Staates würde er sich niemals wenden. Was auch immer er sonst sein mochte, Rostov war ein Patriot. 

Er war Ende vierzig, sah aber locker zehn Jahre älter aus. Ausufernde Mengen von Wodka waren da nicht unschuldig dran, aber das war ihm egal. In seinem Metier brauchte man etwas, was einen beruhigte und die Dinge entspannter sehen ließ. Die Leute, mit denen er arbeitete, zogen sich Drogen in die Nase; aber er brauchte nur eine gute Flasche Alkohol. Außerdem wurde man in diesem Job sowieso nicht alt. 

Sein Handy fing an zu vibrieren und er zog es aus seiner Tasche. Als er die Nummer auf dem Bildschirm sah, verfinsterte sich sein Gesicht. Trotzdem drückte er nach einer kurzen Pause den grünen Knopf. 

„Ja? Warum zum Teufel rufst du mich an? Was willst du?“

„Ich muss dich sehen“, sagte eine Stimme am anderen Ende. „Es ist dringend. Kannst Du mich jetzt treffen?“ 

„Dich treffen? Warum sollte ich dich treffen? Ich habe echt was Besseres zu tun“, schnauzte er und wollte aufhängen. 

„Warte!“, schnappte die Stimme. „Ich habe herausgefunden, dass dich einer beklaut!“ 

Jetzt hatte der Anrufer seine volle Aufmerksamkeit. Wenn es eins gab, was er nicht leiden konnte, dann waren das Leute, die ihm sein Geld klauten. Die Ironie, dass er das Geld vorher jemand anderem gestohlen hatte, ging völlig an ihm vorbei. 

Langsam führte er den Hörer wieder an sein Ohr. 

„Okay, du warst es wahrscheinlich selbst, aber du hast mich neugierig gemacht. Sprich weiter.“ 

„Nicht am Telefon. Das ist zu gefährlich. Triff mich vor dem Adlon Hotel in 30 Minuten. Wir reden in deinem Auto.“ 

Rostov rollte die Augen, während er stumm bis drei zählte und dann tief seufzte. „Na gut, aber wenn du meine Zeit verschwendest, landet dein Kopf auf einem rostigen Zaunpfahl, ist das klar?“

„30 Minuten“, sagte der andere Mann und legte auf. 

Rostov fluchte leise. Es war verdammt kalt draußen und er hatte keine Lust, quer durch die halbe Stadt zu fahren, um diesen Blutsauger zu sehen. Aber wenn er schon betrogen wurde, dann musste er wenigstens herausfinden von wem. 

Er gab dem Bodyguard an der Tür ein Zeichen. 

„Hol den Wagen. Ich treffe jemanden beim Adlon.“

* * *

Der Skorpion wartete, bis seine Geduld durch eine Textnachricht auf seinem Wegwerfhandy belohnt wurde. Die Zielperson kam heraus. 

Wieder schaute er durch das Zielfernrohr und atmete tief ein, damit seine Hände nicht zitterten. Er legte den Finger auf den Abzug, bereit zu schießen.

Plötzlich knarzte die Tür des Bordells und für einen kurzen Moment quoll Lärm heraus, der mit dem Zuschlagen der Tür sofort abgeschnitten wurde. Rostov stand jetzt auf dem Gehweg und sah zutiefst genervt aus, so als ob jemand wirklich würde dafür leiden müssen, dass er ihm den Abend versaut hatte. Der Attentäter lächelte bei dem Gedanken, wie dauerhaft genervt Rostov in wenigen Augenblicken sein würde. 

Wer hatte behauptet, seine Arbeit dürfte ihm keine perverse Freude bereiten?

Die Bodyguards in der Nebengasse traten hektisch ihre Zigaretten aus, als sie ihren offensichtlich äußerst schlecht gelaunten Arbeitgeber sahen. Die hintere Tür des Wagens wurde geöffnet und Rostov trat vor, um einzusteigen. 

Er kam nie dazu. Urplötzlich waren ein Zischen und ein dumpfer Knall zu hören und eine Kugel schlug in Rostovs Kopf ein. Der obere Teil seines Schädels zerbarst. Der hinter ihm stehende Bodyguard machte die unangenehme Erfahrung, mit Rostovs Blut und Gehirnmasse vollgespritzt zu werden. Rostov kreiselte in einer langsamen Spirale zu Boden, ein Ausdruck purer Überraschung auf den Überresten seines Gesichts. 

Die Zeit schien still zu stehen. Die Bodyguards starrten Rostovs Leiche an, die in einer Blutlache am Boden lag. Der Schock ließ sie erstarren. Mehr Zeit brauchte der Skorpion nicht. Das dumpfe Knallgeräusch wiederholte sich mehrmals kurz hintereinander und alle drei Bodyguards fielen tot auf ihren Boss. Ihr Blut vermischte sich auf dem Asphalt und floss bis auf die Straße. 

Sechs Sekunden. Verdammt, er war gut. Aber jetzt musste er hier weg, bevor Rostovs restliche Männer die Leichen entdeckten und sich zusammenreimten, wo die Schüsse hergekommen waren. 

Der Skorpion hob in aller Ruhe die Patronenhülsen vom Boden auf, legte das Gewehr zurück in den Koffer und zog seine Jacke an. Als er die Tür öffnete, spähte er vorsichtig hinaus und sah, dass der Flur verlassen war. Das Letzte, was er jetzt brauchte, war ein Nachbar beim Abendspaziergang. 

Da er niemanden sah, schloss er die Tür so leise wie möglich, ging schnell ins Erdgeschoss und dann nach hinten in Richtung Notausgang. Er war gerade aus der Tür, als er schon die ersten weiblichen Schreie von vorn hörte. Vermutlich war eine der Nutten für eine Zigarettenpause vor die Tür gegangen und hatte mehr vorgefunden, als sie erwartet hatte. Der Skorpion betrachtete die Schreie als den Klang seines Erfolgs. 

Sekunden später war er verschwunden, auf dem Weg, den Rest seines Geldes zu kassieren und dann weiter zum nächsten Auftrag. Leute in den Tod zu schicken war ein gefragtes Geschäft.

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