Den Frieden zu beschützen kann ein tödlicher Job sein

Ein nordkoreanischer Diplomat kommt nach Berlin um mit Kanzlerin Claudia Meyer zu sprechen.

Er deutet an, dass sein Land bereit sei, das kommunistische Regime zu stürzen und Frieden mit dem Westen zu schließen.

Als sein Plan aber entdeckt wird, wird eine kaltblütige Attentäterin auf den Diplomaten angesetzt, als Warnung für andere Verräter.

Abteilung 89 soll den Diplomaten beschützen, doch ist ihr Gegner diesmal zu mächtig?

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Die lange Schlange an der Passabfertigung des Berliner Flughafens BER bewegte sich millimeterweise voran, als die beiden Beamten hinter ihren Schreibtischen die Menschen, die nach Deutschland einreisten, gewissenhaft unter die Lupe nahmen.

Die Passagiere des Hainan Airlines Flug aus Peking waren hundemüde und wünschten sich nichts sehnlicher, als ein Bett. Ihre Blicke klebten entmutigt auf den beiden Deutschen und die gesamte Gruppe fragte sich kollektiv, wie lange man wohl noch würde warten müssen, bis man den Flughafen verlassen konnte. Das, und ob es eine Möglichkeit gäbe, ein paar Positionen in der Warteschlange zu überspringen, ohne dass man dafür gelyncht würde.

Ein Mann in der Schlange fiel durch seine Nervosität und den Schweiß auf seiner Stirn auf. Natürlich war er ebenso müde, wie die anderen, aber er war sein ganzes Leben müde gewesen. Müde vom Stress, müde davon, ständig hinter sich blicken zu müssen, müde von den ewig gleichen Tagen.

Er wünschte, dass alles vorbei wäre. Aber das hing voll und ganz von der Regierung der Bundesrepublik Deutschland ab.

Deutschland war der perfekte Kandidat gewesen, da Kanzlerin Meyer nie eine Freundin seines Landes gewesen war. Sie hatte sich auch einen Namen gemacht, als toughe, unnachgiebige Anführerin. Dafür hatte sie seine Anerkennung. Wenn er und seine Verbündeten Erfolg haben wollten, dann bräuchten sie eine solche Person. Bei dem, was sie tun würden, durfte es keine Schwachstellen geben. Zuerst einmal musste er allerdings überleben. Und sein Überleben hing davon ab, dass er diese beiden überarbeiteten, unterbezahlten Ausweiskontrolleure davon überzeugen konnte, dass sie ihn beschützen mussten. Keine leichte Aufgabe.

Er holte tief Luft, als gerade zwei Passagiere durchgewunken wurden, und die Schlange ein paar Schritte voran kroch. Nach weiteren, ermüdenden 15 Minuten winkte einer der Beamten den Mann endlich zu sich. Jetzt zählte es. Er musste das hinkriegen.

“Papiere bitte”, sagte der Beamte monoton.

“Bitte hören Sie mir zu”, sagte der Mann, “Ich bin Nordkoreanischer Diplomat. Ich muss sofort mit jemandem von Ihrem Geheimdienst sprechen.”

Der Kontrolleur starrte den Mann verständnislos an, und auch sein Kollege hatte sich mittlerweile umgedreht, den Mund halb offen. 

“Geben Sie mir bitte Ihren Ausweis”, sagte der Beamte schließlich.

Mit zitternden, schweißnassen Händen wurden die Papiere überreicht. Der Beamte öffnete mit spitzen Fingern den feuchten Ausweis und verglich das glänzende Foto mit seinem Gegenüber.

“Myong Soo” las der Ausweiskontrolleur vor, “OK, kommen Sie mit.”

Er drückte einen Knopf unter seinem Schreibtisch und führte Myong in einen Nebenraum.

Als sich die Türe schloss, bewegte sich die Schlange langsam weiter.

* * *

Im Herzen Berlins im Hauptquartier der geheimen Abteilung 89 des Deutschen Geheimdienstes hatte Feldwebel Max Amsel vorübergehend das Kommando inne. Die Leiterin der Abteilung, Sophie Decker und ihr Stellvertreter Wolfgang Schmitz waren beide im Dienst schwer verletzt worden und erholten sich momentan.  Während ihrer Abwesenheit fiel es dem zweiten Stellvertreter Amsel zu, die Dinge am Laufen zu halten.

Zu seiner eigenen Überraschung schlug er sich gar nicht schlecht. Ein Eindruck, der ihm mittlerweile bereits von weiter oben in der Hierarchie bestätigt worden war. Er hätte sich selbst nie in der Verwaltung gesehen, musste aber feststellen, dass er es mit Formalitäten und Schreibkram geschlossenen Auges aufnehmen konnte. Zusätzlich hatte er noch das zweite große Geheimnis einer Führungspersönlichkeit erlernt:

Man konnte uninteressante Arbeit problemlos nach unten abgeben.

Es war bereits zwei Uhr morgens und Amsel erwog ernsthaft, sich auf den Nachhauseweg zu machen, als sein Telefon alle Hoffnung auf ein wenig Schlaf zunichte machte. Er war fest davon überzeugt, dass dieses Telefon seine Gedanken lesen konnte.

Einen kurzen Moment dachte er darüber nach, das Gerät einfach zu ignorieren und zu behaupten, er wäre schon weg gewesen, entschied sich aber dann schnell dagegen.

“Amsel.”

“Feldwebel, hier ist Klaus Wagner. Wie geht es Ihnen?”

Wagner war der stellvertretende Direktor des Deutschen Geheimdienstes. Außerdem war er die einzige Verbindung, die Abteilung 89 zu den “offiziellen”, restlichen Abteilungen des Geheimdienstes hatte.

“Sehr gut, danke der Nachfrage. Kann ich Ihnen irgendwie helfen?”

“Ein Mann mit diplomatischen Papieren aus Nordkorea ist heute im BER gelandet und verlangte, den Geheimdienst zu sprechen. Als ihn ein ranghoher Flughafenoffizier befragte, hat der Mann ihm einen verschlossenen Umschlag überreicht, der an die Kanzlerin adressiert war. Ich habe ihn geöffnet. Der Brief ist von einigen der höchsten Regierungsangestellten der Volksrepublik unterzeichnet worden – den Außenminister des Landes mit eingeschlossen. Der Mann hat meine Hochachtung für den Mut, den er aufbringen musste, solch ein Dokument zu unterschreiben. Wenn Pjöngjang hiervon Wind bekommt…”

“Was steht in dem Brief?” fragte Amsel.

„Das wird Ihnen gefallen. Sitzen Sie? So wie es aussieht, plant der Außenminister mit voller Unterstützung dieser Regierungsangestellten das kommunistische Regime zu stürzen und das Land mit Südkorea wiederzuvereinigen.“

Amsel war sprachlos. „Das stand alles in einem Brief? Woher wissen wir, dass das kein Fake ist?“

„Zumindest der Diplomat ist echt. Sein Name ist Myong Soo und er hält eine ganze Reihe Ämter inne, darunter auch bei den Vereinten Nationen. Sein Gesicht ist also bekannt. Außerdem haben wir die Unterschrift des Außenministers mit unseren Unterlagen verglichen. Sie ist entweder hundertprozentig echt, oder irgendjemand ist sehr sehr gut im Unterschriften fälschen.“

„Okay. Was unternehmen wir deswegen? Was erwarten die von Deutschland? Sollen wir ihnen helfen?“

„Genau das. Allerdings nicht aktiv. Sie sagen, dass sie alles unter Kontrolle haben. Wofür sie Hilfe brauchen, ist Waffen zu den Rebellen zu transportieren. Da sie nicht sicher sagen können, auf welche Seite sich das Militär schlagen wird, können Sie nicht auf die Reserven des Militärs zählen. Also brauchen Sie Waffen von uns.“

“Aber wieso wir und nicht die Vereinigten Staaten?”

“Der aktuelle Bewohner des Weißen Hauses hat in ihrem Land keine allzu große Fangemeinde. Und Myong sagt, dass Meyer im Gegensatz dazu von vielen für Ihre Härte und Integrität bewundert wird. Deren Worte.”

„Oh Gott, sagen Sie ihr das bloß nicht“, sagte Amsel, „oder ihr Kopf würde nicht mehr durch die Tür passen.“

„Das alles muss hinter vorgehaltener Hand geschehen”, sagte Wagner, „Wenn das Parlament jemals Wind davon bekommen würde, dass wir auch nur in Erwägung ziehen, nordkoreanische Rebellen mit Waffen zu versorgen, würden die einen kollektiven Schlaganfall bekommen. Sie müssen zum BER und mit Myong sprechen. Wir brauchen noch mehr Details von ihm. Der leitende Offizier, der die erste Vernehmung durchgeführt hat, hat gute Arbeit geleistet, aber jetzt müssen die Experten ran. Nageln Sie ihn bei den Details fest und nehmen Sie ihn in den Schwitzkasten. Finden Sie heraus, wie genau das Regime gestürzt werden soll.“

„Wäre das nicht eher eine Aufgabe für Major Decker oder Hauptmann Schmitz?“

„Sie wissen genau, dass Schmitz außer Gefecht ist und Decker sich genauso ausruhen soll“, sagte Wagner, „Das ist Ihr großer Moment, Feldwebel! Er gehört Ihnen. Machen sie Ihren Job gut, und Sie sind vielleicht die längste Zeit Feldwebel gewesen.“

„Bevor Amsel antworten konnte, hatte Wagner bereits aufgelegt und seine Stimme wurde ersetzt vom leisen Summen der Leitung. Amsel dachte eine Sekunde darüber nach, Decker anzurufen, griff dann aber zu seiner Jacke und Waffe und startete in Richtung Auto.

Books in this Series

Abteilung 89 Boxset Bücher 1-3
Staatsfeind O'Neill
Das Gold der Reichsbank
Executioner abteilung 89
Unantastbar
Das Kind Des Killers
das beethoven syndrom
der verräter
Botschafter des Friedens

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