Eine tödliche Waffe, Millionen Menschen, ein Rennen gegen die Zeit

1944: In der Schlussphase des Krieges haben Nazi-Wissenschaftler ein Nervengas erschaffen, welches das Potential hat, die alliierten Angreifer zu besiegen und das Blatt zugunsten von Deutschland zu wenden. Aber bevor es zum Einsatz kommen konnte, ist der Krieg vorbei und die unbenutzten Gaskanister liegen immer noch versteckt in einem versiegelten unterirdischen Bunker.

Doch im Jahr 2017 wird der Bunker bei Bauarbeiten entdeckt. Das Nervengas wird von noch aktiven Mitgliedern der Rote-Armee-Fraktion, auch bekannt als Baader-Meinhof-Komplex, gestohlen. Sie drohen, das Gas gegen die deutsche Bevölkerung einzusetzen, wenn Ihre Forderungen nicht erfüllt werden.

Die Deutsche Kanzlerin Claudia Meyer geht nicht auf die Erpressungsversuche ein und setzt die Abteilung 89 und deren skrupellose Chefin Major Sophie Decker auf den Fall an. Sie sollen die Gaskanister zurückholen und alle in den Raub involvierten Terroristen töten. Aber Decker hat nur 24 Stunden, bis das Ultimatum der RAF abläuft.

Die Uhr tickt……

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August 1944

Es war kurz nach drei Uhr in der Frühe, als das deutsche Auto an Bunker ankam. 

Helles Licht strahlte dem ankommenden Fahrzeug entgegen und der Führungsoffizier auf dem Rücksitz lehnte sich nach vorne, um aus dem Fenster sehen zu können. Offiziere in Reih und Glied erwarteten ihn. Aber sie sahen extrem angespannt und besorgt aus.

Er wusste, was sie fürchteten. Vor wenigen Tagen hatte der Oberbefehlshaber in Paris sich und  die deutsche Garnison den Franzosen gegenüber ergeben und damit die vierjährige Besatzung der Stadt Paris durch die Nazis beendet. 

General de Gaulle war unter Beifallsstürmen zurückgekehrt, während Adolf Hitler in Berlin einen Tobsuchtsanfall erlitt. 

Mit den Alliierten Kräften, die sich in Frankreich sammelten und russischen Truppen, die sich von Osten her bereit machen, wie eine Dampfwalze auf Berlin zu zu marschieren, sahen die Prognosen für das Dritte Reich momentan alles andere als rosig aus. Was Deutschland jetzt brauchte, war ein Wunder, das in letzter Sekunde das Ruder herumreißen würde. Und die Wissenschaftler, die sich hier in diesem Bunker verschanzt hatten, behaupteten, dass sie endlich eines gefunden hätten.

Das Auto machte eine Neunzig-Grad-Kurve und hielt an. Der Offizier, der das Kommando über den Bunker hatte, wirkte nervös, als einer seiner Untergebenen die Hintertüre des Autos öffnete. Als er erkannte, wer aus dem Wagen ausstieg, verlor er um ein Haar die Kontrolle über seine Eingeweide. 

„Herr Reichsleiter Bormann“, sagte den Bunker-Kommandeur, Heinrich Wegmann, „uns wurde gesagt, dass wir eine Person von Rang erwarten durften, aber ich hatte ja keine Ahnung, dass Sie es sein würden. Es ist mir eine Ehre!“

Schnell erhob er seinen Arm zum nationalsozialistischen Gruß. 

Martin Bormann war Adolf Hitlers rechte Hand. Sein Sekretär und Mann für offizielle Angelegenheiten, seine geflüsterten Ratschläge waren zu jeder Zeit in Hitlers Ohren. Er konnte Hitler jedes beliebige Dokument vorlegen, er würde ungelesen unterschreiben. Er war eine Art Hilfs-Führer. De facto war er der mächtigste Mann in Deutschland gleich nach Adolf Hitler.

„Genug Geschleime“, sagte Bormann und erhob ebenfalls seinen Arm. Während er bedrohlich seine Lederhandschuhe entfernte, fuhr er fort, „Der Führer wünscht einen Fortschrittsbericht. Wegen dem bin ich hier und nicht damit Sie mir in den Arsch kriechen.“

„Sicher“, sagte Wegmann, „hier lang bitte.“

Wegmann steuerte auf eine offene Türe zu und Bormann folgte ihm, selbst gefolgt von einer Schar weiterer Offiziere. Als sie die Türe passierten, wurde im Inneren ein Brummen lauter. Als sie an eine Treppe gelangten, die nach unten führte, wurde Bormann plötzlich bewusst, dass sie sich unter der Erde befanden.

“Ist es fertig?” fragte er übermäßig barsch, um seine aufkeimende Angst vor geschlossenen Räumen zu überspielen.

“Jawohl, Reichsleiter”, sagte Wegmann, “Die Wirkungsweise wurde heute Morgen an Insassen des angrenzenden Konzentrationslagers bestätigt. Mit 100 % Erfolgsquote.”

Bormann gab ein zustimmendes Grummeln von sich. “Sehr gut. Der Führer wird erfreut sein. Nach dem Desaster in Paris können wir ein paar gute Neuigkeiten gebrauchen.”

Die Gruppe kam an einer verschlossenen Türe an, die von zwei SS-Wachleuten bewacht wurde.

Wegmann verscheuchte die beiden, holte einen Schlüssel aus seiner Tasche und öffnete die Tür. Im Inneren betätigte er einen Lichtschalter und in dem kleinen Raum kamen mit einem Mal eine Menge Metallkanister zum Vorschein.

Bormann trat hervor und betrachtete den ersten Kanister. Er runzelte die Stirn, als er las, darauf gestempelt war.

Beethoven? Warum zur Hölle steht das auf allen Kanistern?”

“Wir brauchten einen Namen für das Gas”, sagte Wegmann mit dem Hauch eines Lächelns, “Und da es eine Art dauerhafte Taubheit produziert, hielten wir den Namen “Beethoven” für … poetisch.”

Bormann starrte Wegmann an, während er herauszukriegen versuchte, ob der Mann ein Genie oder ein Idiot war. Zuletzt schüttelte er einfach nur den Kopf.

“Und es funktioniert?” fragte er.

“Jawohl”, erwiderte Wegmann stolz.

“Was macht es?”

“Schwere Krampfanfälle, unwiderrufliche Taubheit, schwere Nervenschäden, Wahnsinn.”

“Mit anderen Worten: alles außer einen umbringen”, sagte Bormann sarkastisch.

“Genau das.”

“Wie großzügig”, antwortete Bormann, “Wir machen sie verrückt, aber wir töten sie nicht. Und dieser Raum … sind die Kanister darin sicher? Halten die Türen das Gas auf? Keine Löcher in den Wänden? Ich habe keine Lust auf Unfälle.”

“Absolut sicher, mein Reichsleiter”, sagte Wegmann mit einem beschwichtigendem Lächeln, “Der Raum wurde versiegelt, um eben solch ein Austreten zu verhindern, das den gesamten Komplex infizieren würde.”

“Gut”, sagte Bormann anerkennend, “Testen wir, was Sie da behaupten. Ich will es sehen.”

“Ich werde das Lager anrufen. Sie sollen uns ein paar Gefangene schicken.”

“Nicht nötig”, sagte Bormann auf dem Weg zur Tür, “dafür haben wir doch Sie.”

Bevor einer der Offiziere reagieren konnte, hatte Bormann einen der kleinen Kanister gepackt den Raum verlassen und die Türe hinter sich zugeschlagen. Auf dem Weg hinein war ihm bereits aufgefallen, dass Wegmann den Schlüssel von aussen hatte stecken lassen.

Idiot. Bormann verschloss die Türe.

Die beiden SS-Wachleute blickten sich unsicher um. Die Rangabzeichen auf Bormanns Uniform hatten sie davon abgehalten, ihn umgehend zu erschießen. Hinter Bormann waren Wegmanns gedämpfte Schreie und Schläge gegen die Metalltüre zu hören.

Bormann zog langsam seine Waffe und richtete sie auf die Wachen.

“Sie wissen, wer ich bin?”

“Jawohl”, sagte einer der Wachmänner.

“Sie tun also, was ich sage?”

“Natürlich, Reichsleiter”, sagte  er und senkte seine eigene Waffe.

Nach einem kurzen Moment des Zweifels tat es ihm der zweite Wachmann gleich.

“Sehr gut”, sagte Bormann, “Ich möchte, dass Sie diesen Kanister nehmen und das Gas darin über die Lüftungsanlage in den Raum einleiten, aus dem ich eben gekommen bin.”

Die beiden hatten sichtbare Probleme mit diesem Befehl, konnten allerdings auch schlecht nein zum stellvertretenden Führer des Dritten Reichs sagen.

“Jawohl, Reichsleiter”, sagte der erste Wachmann und berührte vorsichtig den Kanister. “Einen Moment bitte.”

“Sie haben fünf Minuten. Andernfalls ziehen Sie und Ihre Familien nach nebenan.”

Der zusätzliche Ansporn sorgte dafür, dass die Wachleute im Eiltempo davon liefen, während Bormann geduldig an der Türe wartete. Das dumpfe Klopfen wurde nach und nach zu Rufen und Fluchen. Dann Schreien.

Die beiden Wachen kamen schweißgebadet zurück, ein Ausdruck von Übelkeit auf ihren Gesichtern. Beide hatten Gasmasken in der Hand und verloren den Rest ihrer Gesichtsfarbe, als sie die Schreie aus dem Inneren hörten.

Nach einer Ewigkeit wurden die Schreie schwächer und gingen langsam in unzusammenhängendes Gebrabbel über. Bormann hatte ebenfalls eine Maske aufgesetzt und befahl den Wachen, zu warten und die Außentüre zu schließen. 

Er zog auch seine Lederhandschuhe wieder an.

In Berlin hatte man ihm  versichert, dass das Gas sich in wenigen Minuten verflüchtigen würde. Allerdings würde er nicht das Risiko einer Infektion eingehen. Er hatte vor, den Krieg zu überleben. Er wartete also noch ein paar Minuten, entriegelte die Tür und trat in einen Albtraum.

Wegmann und die anderen Offiziere lagen auf dem Boden und krümmten sich vor Schmerzen. Speichel rann aus ihren Mündern und jeder brabbelte mit sich selbst. Sie hatten allesamt offensichtlich jeden Verstand verloren. Einer der Offiziere zuckte noch am Boden.

Es funktioniert also, dachte er, ausgezeichnet.

Bormann nahm seine Waffe heraus und erschoss jeden der Offiziere. Ein Gnadenakt. Für sie gab es im Reich jetzt keinen Platz mehr.

Auf dem Weg nach draußen schloss er die äußere Tür. Er nahm die Gasmaske ab und atmete tief die frische Luft ein.

Bormanns Fahrer stand ungerührt bei seinem Fahrzeug. Er rauchte und wartete auf Befehle.

“Zurück nach Berlin”, sagte Bormann und stieg in das Auto.

“Jawohl”, sagte der Fahrer und schnippte seine Zigarette beim Einsteigen in die Nacht. Mit heulendem Motor wendete er und machte sich auf die lange Reise zurück nach Berlin.

* * *

Zwei Wochen später warf die US Air Force bei einer Bombardierung in Dunkelheit und dichtem Nebel ihre Ladung über dem falschen Ziel ab. Sie ließen ihre Bomben direkt über dem Bunker fallen, der selbst unbeschädigt blieb. Das Gebäude, das auf dem Bunker stand, wurde allerdings dem Erdboden gleich gemacht und der Bunker so effektiv versiegelt.

Wegmanns Nachfolger sandte einen Bericht an Berlin und wurde umgehend informiert, dass Truppen entsandt würden, um die Kanister zu bergen.

Sie kamen allerdings niemals an.

Books in this Series

Abteilung 89 Boxset Bücher 1-3
Staatsfeind O'Neill
Das Gold der Reichsbank
Executioner abteilung 89
Unantastbar
Das Kind Des Killers
das beethoven syndrom
der verräter
Botschafter des Friedens

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