Ein Mann hält den Schlüssel zum nuklearen Gleichgewicht der Weltmächte in seinen Händen

Ein Undercover-Spion des deutschen Geheimdienstes im russischen FSB wird verraten und zur Flucht gezwungen. Weit kommt er nicht, sondern wird von einem sadistischen Ex-KGB-Oberst gefangen genommen, der jetzt freiberuflich für den russischen Präsidenten arbeitet.

Seine Gefangennahme löst eine Panikwelle auf höchster Regierungsebene aus. Die deutsche Bundeskanzlerin Claudia Meyer erteilt Major Sophie Decker, Chefin der Eliteabteilung 89, einen Befehl: Tief in russisches Territorium eindringen und den Agenten retten. Falls nötig, muss sie seine Vollstreckerin sein.

Es gibt nur ein Problem. Die Russen wissen, dass Decker und ihre Agenten kommen. Abteilung 89 steht vor der bisher größten Herausforderung – und vor dem größten Verlust.

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Als Anatoly Yurasov aus dem FSB Gebäude am Lubyanka Platz in Moskau kam, hatte er keine Ahnung, dass er kurz davor stand, von seinen Kollegen verhaftet zu werden. 

Es war ein langer, anstrengender Tag gewesen und das Einzige, wonach ihm der Sinn stand, waren ein paar Wodkas, eine warme Mahlzeit und sein Bett. Auf dem Heimweg musste er erst einen Umschlag in einem Gebäude abliefern. Der Tag ging in den Abend über, ein anhaltender Nieselregen fiel vom Himmel und die Berufspendler zogen die Köpfe ein, fest entschlossen, an den Menschenmassen vorbei nach Hause zu kommen. 

Da Yurasov mit seinen Gedanken ganz woanders war, bemerkte er die beiden gut gebauten Männer nicht, die hinter ihm aus dem Auto stiegen. Aus dem Auto, in dem die beiden gesessen hatten und das sich jetzt im Schneckentempo fortbewegte. Das machte einige Leute auf der Straße nervös. Sie wussten instinktiv, wer diese Männer waren. Dieses Schauspiel hatten sie schon oft beobachtet. 

Ein siebter Sinn veranlasste Yurasov dazu, sich umzudrehen. Als er die beiden Männer sah, weiteten seine Augen sich vor Schreck. Die Männer standen breitbeinig da, ihre ganze Haltung abwehrend. Sie versuchten nicht, ihre Anwesenheit zu verbergen. Es war ihnen egal, ob sie gesehen wurden oder nicht. Wie auch immer, Anatoly Yurasov würde nach diesem Abend nicht mehr auf Moskaus Straßen herumlaufen. 

Plötzlich rannte Yurasov los, was seinen Verfolgern seine Schuld bestätigte. Ein unschuldiger Mann hätte entrüstet gefragt, warum er verfolgt wurde. Aber Yurasov wusste, dass seine Zeit abgelaufen war. Er hätte aufhören sollen, als es noch ging. Stattdessen stand ihm jetzt eine Zelle im Lubyanka bevor, gleich neben den Leuten, die er dort hineingebracht hatte. Das war kein schöner Gedanke. 

Das FSB Auto raste mit quietschenden Reifen voraus und verbrannte dabei jede Menge Gummi. Es kürzte über den Bürgersteig ab, während der etwas atemlose Yurasov abrupt um die Ecke bog. Vor zehn Jahren hätte er diesen Dreckskerlen ordentlich Fersengeld gegeben, aber die vielen Jahre hinter dem Schreibtisch hatten ihn verweichlicht und jetzt würde er mit seinem Leben dafür bezahlen. 

Während er die Seitenstraße entlang rannte, schoss einer der Männer aus einer Gasse und streifte Yurasovs Gesicht mit einem Faustschlag. Dann packte er Yurasov am Kragen und schleuderte ihn gegen eine Wand. Inzwischen hatte auch sein Kollege aufgeschlossen und landete einen Treffer in Yurasovs Magen. Er wollte auch an dem Spaß beteiligt sein. 

Das Auto kam kreischend zum Stehen. Der Fahrer stieg aus und betrachtete die zitternde Gestalt von Yurasov, der an der Wand lehnte und verzweifelt nach Atem rang. Der Mann, der ihm in den Magen geboxt hatte, spuckte in den Rinnstein und sah den Fahrer an. 

„Ruf an und sag Bescheid, dass wir ihn haben.“

„Die werden angepisst sein“, sagte sein Partner. „Wir sollten Yurasov folgen, wo auch immer er hin wollte. Der General wird unsere Eier zum Frühstück verspeisen.“

„Ist ja nicht unsere Schuld, dass er sich umgedreht hat, oder?“, knurrte der Erste. „Außerdem …“

Er beugte sich vor und zog einen Umschlag aus Yurasovs Innentasche. „Ich denke, wir haben hier, was wir brauchen. Lass uns zum Hauptquartier fahren. Mal sehen, wie lange es dauert, bis dieses kleine Vögelchen hier singt.“

* * *

Unteroffizier Thorsten Albrecht vom Bundesnachrichtendienst betrat den Moskauer Supermarkt und sah sich unauffällig in den Gängen um. Er gab vor, nach etwas zu suchen, aber in Wirklichkeit wollte er den Manager des Supermarkts sprechen, denn das war sein Kontaktmann, falls Dinge aus dem Ruder liefen. Zur deutschen Botschaft konnte er nicht gehen. Die wurde mit Sicherheit überwacht und er würde verhaftet werden, bevor er es bis zur Eingangstür geschafft hatte. 

In den letzten paar Stunden war alles Mögliche schief gegangen. Anatoly Yurasov war von den FSB Kollegen verhaftet worden, denn Gerüchten zufolge hatte er seit fast einem Jahr einen deutschen Undercoveragenten im FSB betreut. Die Leute wussten zum Glück nicht, dass Albrecht dieser Agent war. So ruhig und unbeteiligt wie möglich war Albrecht in sein Büro zurückgekehrt. Er hatte relevante FSB Akten auf einen USB Stick kopiert, alles vernichtet, was auch nur ansatzweise belastend war, sein Handy mit einem Hammer zerschlagen und war dann aus dem gleichen Gebäude gegangen, das auch Yurasov einige Stunden zuvor verlassen hatte. 

Sein Cover war aufgeflogen. Bisher wussten sie nicht, dass er es war. Aber das würde sich ändern, noch ehe die Nacht rum war. Niemand hielt der Folter im Lubyanka lange stand. 

Während er mit einer Flasche Wodka durch die Gänge des Supermarkts streifte, sah er aus dem Augenwinkel einen Mann aus einem Büro kommen. Als der Mann Albrecht erblickte, wirkte er panisch. Es gab nur einen Grund, warum Albrecht aus der Deckung kam, und der Gedanke daran, verhaftet zu werden, ließ dem Manager den kalten Schweiß ausbrechen. 

Albrecht schlenderte zu ihm. „Entschuldigen Sie, könnten Sie mir einen guten Kaviar empfehlen, der zu diesem Wodka passt?“

Der Manager erkannte Albrechts Hälfte des Codesatzes, konnte sich aber nicht überwinden, mit seiner Hälfte zu antworten. Seine Stimme versagte. Albrecht sah den Manager scharf an, als wollte er sagen „Lass mich bloß nicht hängen. Ich zähle auf dich.

„Ja“, sagte der Manager schließlich heiser. „Ich weiß genau den Richtigen. Lassen Sie mich nachsehen, ob ich hinten noch etwas für Sie finde.“

Albrecht strahlte. „Das wäre wundervoll, danke. Aber bitte beeilen Sie sich. Einige Freunde werden wahrscheinlich sehr bald vorbeischauen.“

Der Manager ging in sein Büro, um einen kurzen Anruf an seinen deutschen Betreuer abzusetzen. Albrecht musste umgehend abgezogen und aus dem Land geschafft werden. 

* * *

Sie hatten ja keine Ahnung, dass sie bereits in der Falle saßen. Yurasov war nach nur fünfundvierzig Minuten zusammengebrochen und Albrechts Personenbeschreibung wurde durch die ganze Stadt gejagt. Taxifahrer, die vom FSB bezahlt wurden, sahen sein Gesicht auf ihren Handys aufleuchten. Einer von ihnen erkannte ihn und machte sofort Meldung. 

„Ja, er ist hier, in einem Supermarkt direkt gegenüber. Er ist vor ungefähr fünf Minuten da rein gegangen. Immer noch drin, soweit ich weiß. Gut, ich weiß Bescheid …“

Er legte auf, zog eine geladene Handwaffe unter seinem Sitz hervor und überprüfte das Magazin. Verstärkung war auf dem Weg, aber der Fahrer war angewiesen worden, in den Laden zu gehen und Albrecht mit allen Mitteln aufzuhalten, außer ihn zu töten. In diesem Punkt waren sie sehr eindeutig gewesen. 

* * *

Fünf Minuten später kam der Manager wieder heraus. Seit er in sein Büro gegangen war, um den Anruf zu tätigen, schien er um zehn Jahre gealtert zu sein. 

„Gehen Sie innerhalb der nächsten halben Stunde zum Zweitstandort“, murmelte er. „Sie werden nur eine Viertelstunde auf Sie warten, falls es zu Verzögerungen kommt. Jetzt hauen Sie ab, bevor ich Ihretwegen umgebracht werde.“ 

Albrecht nickte nur. Seine Aufmerksamkeit galt einem Mann, der in den Laden gekommen war. Irgendetwas stimmte nicht an ihm. Er scannte die Gänge, als würde er nach jemandem suchen. Als Albrecht die Waffe in seiner Hand sah, wusste er, dass er Ärger am Hals hatte. 

„Zu spät“, sagte er zum Manager. „Tut mir wirklich leid.“ 

Der Manager drehte sich um und entdeckte schließlich den Taxifahrer mit der Waffe. Seine Knie wurden weich und er fing an zu weinen. Das machte den Taxifahrer auf ihn aufmerksam, der Albrecht blitzschnell in einem anderen Gang verschwinden sah. 

„FSB!“, brüllte er. „Sie sind verhaftet! Kommen Sie da raus!“ 

Albrecht schraubte die Wodkaflasche auf, stopfte sein Stofftaschentuch hinein und verwandelte das ganze mit einem Feuerzeug in einen Molotowcocktail. Der Manager sah den Alkohol aufflammen und wusste, was jetzt kam. 

„Nein!“, schrie er. 

Albrecht hatte drei Jahre in den Vereinigten Staaten verbracht, sodass er einige Erfahrung im Baseball und eine perfekte Treffsicherheit hatte. Die brennende Flasche flog über den Gang und traf den Taxifahrer mitten auf den Kopf. Die Flasche zerbarst und die Mixtur aus Alkohol und Flammen steckte den FSB Agenten an. Vor Schmerz schreiend schlug er um sich, wobei der seine Waffe so lange abfeuerte, bis das Magazin leer war. Eine Kugel prallte von einem Metallregal ab und traf den Manager mitten in die Brust. 

Die Kunden ließen ihre Einkaufskörbe fallen und liefen kreischend zu den Ausgängen. Albrecht hingegen ging nicht durch die Vordertür. Als er sich umdrehte, entdeckte er die offenen Türen zum Lager und sprintete hindurch. Er sprang über Kisten und konnte eine offene Tür sehen, die auf die Straße führte. Mit einer Waffe in der Hand, die er aus seinem Wollmantel gezogen hatte, drehte er sich in der Erwartung um, verfolgt zu werden. Doch es war noch niemand da, also verschwand er durch die Hintertür.

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